Samsung Medison, die Medizintechnik-Tochter von Samsung Electronics aus Südkorea, hat auf dem internationalen Kongress der International Society of Ultrasound in Obstetrics and Gynecology (ISUOG) in London (4.–7. September 2026) das neue Premium-Ultraschallsystem HERA Z10 vorgestellt. Mit dem Gerät erweitert das Unternehmen seine HERA-Z-Reihe, die bislang vom Flaggschiff HERA Z20 angeführt wurde, und zielt darauf, KI-gestützte Diagnostik in der Frauengesundheit breiter verfügbar zu machen.
Die Entwicklung spiegelt einen zentralen Trend im globalen Medizingerätemarkt wider: Ultraschall soll nicht mehr nur Bilder liefern, sondern klinische Entscheidungen durch präzisere Risikobewertung und automatisierte Workflows unterstützen. Vor dem Hintergrund zunehmender Spätgeburten und Schwangerschaftskomplikationen gewinnt dabei die Kombination aus hochwertiger Bildgebung und künstlicher Intelligenz an Bedeutung – für Leistungskonsistenz, Zeitgewinn und standardisierte Abläufe.
Technisch übernimmt das HERA Z10 die KI-basierten klinischen Workflows des HERA Z20 und kombiniert sie mit Beamforming zur Erzeugung hochauflösender Bilder. Die Reihe ist als modulare Premiumplattform konzipiert: Je nach Versorgungsumfeld können Einrichtungen ein passendes System wählen, statt sich auf ein einziges Spitzenmodell festlegen zu müssen. Ziel ist, den Einsatzbereich von der Pränataldiagnostik bis zur Beurteilung der Neugeborenen über eine einheitliche Plattform zu verbinden. Dafür stehen auch spezielle Sonden für die Neonataldiagnostik zur Verfügung.
Besonderes Gewicht legt das Z10 auf Automatisierung und Effizienz. Laut von Samsung Medison veröffentlichten Gemeinschaftsstudien verkürzt die Funktion Live ViewAssist™ die Untersuchungsdauer bei detaillierten Ultraschallchecks im zweiten Trimester um bis zu 52 Prozent. An den Arbeiten waren die ISUOG-Gründungsmitglieder Prof. Giuseppe Rizzo und Prof. Daniele Di Mascio von der Sapienza-Universität Rom beteiligt. Die Funktion EzStructure™ senkt demnach die Zahl manueller Eingriffe bei zentralen Messungen um bis zu 71 Prozent, was repetitive Arbeitsschritte reduziert und die Ergebnisqualität vereinheitlichen soll.
Für Risikokonstellationen in der Schwangerschaft bringt die Plattform weitere spezialisierte Tools mit. MV-Flow 3D visualisiert sehr feine Blutflüsse hochauflösend und kann so etwa bei der Beurteilung von Plazentaanomalien oder auffälligen Gefäßen in Uterus und Nabelschnur helfen. Mit FibroidVue unterstützt das System außerdem die Diagnostik gynäkologischer Erkrankungen: KI segmentiert Gebärmutter, Endometrium und Myome automatisch, stellt sie getrennt dar und vermisst die Bereiche, um Befunde für das medizinische Personal schneller zugänglich zu machen.
Über die reinen Produktfunktionen hinaus nutzte Samsung Medison den ISUOG-Kongress, um Anwendungsszenarien zu präsentieren. Unter dem Titel „ART OF ULTRASOUND“ wurden mittels KI interpretierte Fetus-Ultraschallbilder als Bilderserie gezeigt. Zudem demonstrierte das Unternehmen eine Lösung, die Untersuchungsdaten mit einem Galaxy Tab verknüpft, um Wachstumsverläufe über den Schwangerschaftsverlauf hinweg nutzbar zu machen.
Mit der Einführung des HERA Z10 verfolgt Samsung Medison die Strategie, die klinische Reichweite der HERA-Z-Serie auszubauen: Premium-Bildgebung wird mit KI-gestützten Workflows gebündelt, damit Einrichtungen je nach Infrastruktur und Fallaufkommen passende Konfigurationen wählen können. Nach Unternehmensangaben soll dies nicht nur die Konsistenz von Messungen verbessern, sondern auch Personal in stark frequentierten Bereichen entlasten – ein Argument, das über Südkorea hinaus auf Gesundheitssysteme weltweit trifft.
Für Europa ist die Präsentation auf dem Londoner Fachkongress ein Hinweis auf die zunehmende Verzahnung von Premium-Ultraschall und KI im Wettbewerb der Medizintechnik. Gerade in der Frauen- und Perinatalmedizin, in der standardisierte, reproduzierbare Messungen und ein schneller Untersuchungsdurchsatz an Bedeutung gewinnen, markieren die nun vorgestellten Automatisierungsfunktionen einen weiteren technologischen Schritt. Zugleich bleibt entscheidend, dass der klinische Einsatz solcher Systeme – von der Risikobeurteilung bis zur Verlaufskontrolle – eingebettet ist in valide Workflows und die Expertise des ärztlichen Personals.
Samsung Medison kündigte an, die Anwendung KI-gestützter Assistenzfunktionen mit dem HERA Z10 weiter auszuweiten. Nach Darstellung von Kim Ji-hyun, Leiterin des CX-Teams, soll das System die klinische Wertschöpfung der HERA-Z-Serie in unterschiedlichsten Versorgungssituationen zugänglich machen und dabei Lösungen auf Basis von Premium-Bildgebung und KI-Workflows bereitstellen. Wie stark das Unternehmen damit seinen Fußabdruck im globalen Markt der Frauengesundheitsdiagnostik vergrößern kann, wird sich am praktischen Nutzen in den Kliniken und der Akzeptanz durch Anwenderinnen und Anwender entscheiden.

