Der südkoreanische Telekomkonzern KT und das Universitätsklinikum der Seoul National University (SNUH) wollen ein „AI-native Hospital“ aufbauen, in dem Künstliche Intelligenz nicht nur in der Diagnose, sondern auch in Pflege, Forschung und Verwaltung durchgängig eingesetzt wird. Am 17. August unterzeichneten beide Seiten in Seoul eine Vereinbarung zum gemeinsamen Aufbau einer AX-Plattform – AX steht für AI-Transformation –, die als Standardmodell auch anderen Kliniken offenstehen soll.
Kern der Partnerschaft ist die Verbindung von KTs AI-, Cloud- und Datentechnik mit der klinischen und wissenschaftlichen Expertise des führenden Universitätsklinikums des Landes. KT übernimmt Plattformdesign, Entwicklung, technische Validierung und Kommerzialisierung. SNUH wählt anwendungsnahe Projekte für Behandlungsalltag und Patientennutzen aus und verantwortet Beratung und Wirksamkeitsprüfung. Geplant sind u. a. ein AX-Standardmodell, KI-gestützte klinische Entscheidungsunterstützung und die Entlastung des medizinischen Personals.
SNUH bringt gewachsene Grundlagen ein: Mit der hauseigenen Plattform SNUH.AI verknüpft die Klinik interne KI-Systeme, Daten und Abläufe. Ein auf koreanische Medizin spezialisierter Large Language Model automatisiert Routinedokumente wie Präanästhesie-Bewertungen und Entlassungsbriefe – mit dem Ziel, Verwaltungsaufwand zu senken, Effizienz zu steigern und die Patientensicherheit zu stärken. Ergänzend wurden das Healthcare AI Institute und das klinisch-genomische Unterstützungssystem SNUH POLARIS aufgebaut.
Anwendungen reichen von der raschen Aufbereitung von Befunden für Ärztinnen und Ärzte über die Reduktion von Pflegedokumentation bis zur Auswertung großer Forschungsdatensätze. In der Klinikorganisation könnten Terminierung, Verwaltung und Ressourcensteuerung stärker automatisiert werden. Über eine gruppenweite Digitalplattform soll daraus ein Ökosystem entstehen, dessen validierte Bausteine sich auf weitere Einrichtungen übertragen lassen.
Die Kooperation fügt sich in die staatliche KI-Strategie im Gesundheitswesen: Das Gesundheits- und Sozialministerium fördert 2026 zwanzig klinische Erprobungsprojekte, weitet Datennutzungsgutscheine für Start-ups und Mittelständler aus und will ab der zweiten Jahreshälfte 2026 ein nationales integriertes Biobigdaten-Repository stufenweise öffnen. Datenschutz soll durch Pseudonymisierung und Data Review Boards gewährleistet werden. Zugleich trat ein KI-Grundgesetz in Kraft, das „hochwirksame“ KI mit potenziellen Auswirkungen auf Leib und Leben einstuft; das Wissenschafts- und IKT-Ministerium stellt Prüfleitfäden bereit.
Einordnung: Anders als Büroautomation berührt medizinische KI unmittelbar Diagnose und Behandlung. Entscheidend werden belastbare klinische Validierung, klare Abgrenzungen der Unterstützungsfunktion und strikter Datenschutz sein. KT und SNUH betonen, praxistaugliche und sichere Werkzeuge für den Klinikalltag zu entwickeln und erfolgreiche Modelle in die Fläche zu tragen.

