Kumho Tire in Südkorea: Nach Ablehnung des Zwischenabkommens starten Arbeitgeber und Gewerkschaft neue Verhandlungen

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In Seoul ist ein zentraler Tarifkonflikt beim südkoreanischen Reifenhersteller Kumho Tire vorerst gescheitert: Ein von Arbeitgeberseite und der Betriebsgewerkschaft ausgehandeltes Zwischenabkommen für Löhne und Kollektivvertrag fiel in einer Mitgliederbefragung durch. Laut der Nationalen Metallarbeitergewerkschaft, Sektion Kumho Tire, stimmten am 23. und 24. August von 3.309 Wahlberechtigten 2.871 Beschäftigte ab; 1.568 von ihnen votierten gegen die Lohnvereinbarung – ein Anteil von 54,61 Prozent. Das parallele Votum zum Kollektivvertrag ergab mit 1.551 Gegenstimmen (54,03 Prozent) ein ähnliches Bild. Damit verlor die erst am 21. August erzielte Verständigung binnen vier Tagen ihre Grundlage, beide Seiten nehmen neue Gespräche auf.

Der abgelehnte Vorschlag sah eine Erhöhung des Grundgehalts um 3 Prozent vor sowie Einmalzahlungen in Gesamthöhe von 8,5 Millionen Won: 5,5 Millionen Won als Leistungsprämie, 500.000 Won als Arbeitsanreiz und 2,5 Millionen Won als Prämie für die Umsetzung einer Sondervereinbarung aus dem Jahr 2018. Über die monetären Punkte hinaus enthielt das Paket Maßnahmen zur Produktivitäts- und Qualitätssteigerung, zur Stärkung von Technologie- und Anlagenkompetenz sowie Programme zur stabilen Rückkehr von nach dem Fabrikbrand beurlaubten Beschäftigten. Geplant waren außerdem Qualifizierungen und Versetzungen im Zuge von Ruheständen, eine Sonderprämie bei Erreichen der Planmengen und ein Ausbau von Austauschformaten zwischen Management und Belegschaft.

Als ein wesentlicher Grund für die Ablehnung gilt Unzufriedenheit mit der Struktur der Erhöhung: Teile der Belegschaft forderten, statt eines einheitlichen Prozentsatzes für alle Beschäftigten die Grundgehälter von Kolleginnen und Kollegen mit kürzerer Betriebszugehörigkeit stärker anzuheben. Die Gewerkschaft betonte zugleich, das Ergebnis sei nicht als unmittelbare Streikfreigabe zu interpretieren. Nach internen Beratungen sollen Mitgliedermeinungen weiter gebündelt werden; über Zeitplan und Vorgehen einer möglichen Neuverhandlung entscheidet der Streitmaßnahmenausschuss.

Die Abstimmung fällt in eine Phase, in der Kumho Tire seine Produktionsbasis neu ordnet. Das Werk in Gwangju (Provinz Jeollanam-do) war im Mai 2025 von einem schweren Brand betroffen und musste die Fertigung zeitweise vollständig einstellen. Nach einer Einigung über die Wiederinbetriebnahme lief die Produktion im November desselben Jahres mit rund 4.000 Reifen pro Tag an und wurde 2026 zügig hochgefahren. Im Februar überschritt die Tagesmenge mit 10.565 Stück erstmals wieder die Marke von 10.000. Das Unternehmen plant, in Gwangju ein Jahresvolumen von etwa 3,5 Millionen Reifen zu erreichen.

Parallel entsteht im Industriekomplex Bitgaram in Hampyeong-gun (ebenfalls Jeollanam-do) ein neues Werk. Für die erste Ausbaustufe auf einem Gelände von rund 500.000 Quadratmetern sind Investitionen von 660,9 Milliarden Won vorgesehen; der Produktionsstart ist für das erste Halbjahr 2028 avisiert. Mit Abschluss von Stufe 1 soll die jährliche Kapazität bei 5,3 Millionen Reifen liegen, nach einer zweiten Ausbaustufe bei rund 12 Millionen. Strategisch verknüpft ist dies mit der geplanten Veräußerung der Areale der Werke 1 und 2 in Gwangju und der Verlagerung von Fertigungskapazitäten nach Hampyeong. Die Erlöse aus einem möglichen Verkauf könnten in den Ausbau von Hampyeong und – nach Unternehmensplänen – in zusätzliche Kapazitäten, auch an europäischen Standorten, fließen.

Trotz der Brandfolgen legte Kumho Tire im Geschäftsjahr 2025 finanziell zu: Der konsolidierte Umsatz stieg auf 4,7013 Billionen Won, der operative Gewinn auf 575,5 Milliarden Won. Belastungen durch Zölle in den USA und temporäre Produktionsausfälle in Gwangju wurden durch höhere Verkäufe von Erstausrüstungs- (OE) und Ersatzreifen (RE) in den USA und Europa teilweise kompensiert. Für 2026 peilt das Unternehmen 5,1 Billionen Won Umsatz an und setzt dabei auf margenstärkere Produkte wie großdimensionierte Reifen und Modelle für Elektrofahrzeuge.

Vor diesem Hintergrund erhält die Lohnrunde zusätzliches Gewicht. Für das Management geht es darum, den Wiederaufbau in Gwangju mit der Investitionsoffensive in Hampyeong zu synchronisieren – beides verlangt verlässliche Planbarkeit in den Arbeitsbeziehungen. Die Gewerkschaft wiederum will Beschäftigungssicherheit, Arbeitsbedingungen und die Gestaltung von Versetzungen im Zuge der Standortneuordnung verbindlich absichern. Dass die Ablehnung mit jeweils rund 54 Prozent nicht überwältigend ausfiel, lässt Spielraum für eine Annäherung: In den anstehenden Verhandlungen dürfte es vor allem um eine modifizierte Grundgehaltsstruktur und konkrete Maßnahmen zur Verbesserung der Bedingungen für Beschäftigte mit kürzerer Betriebszugehörigkeit gehen, ohne das Kostenkorsett und die Produktionspläne aus dem Takt zu bringen.

Wann genau die nächste Verhandlungsrunde startet, steht noch nicht fest. Beide Seiten signalisierten jedoch, die Gespräche zu einem geordneten Abschluss führen zu wollen. Für Kumho Tire, das den Einschnitt des Vorjahresbrands durch Kooperation überwand, wird nun entscheidend sein, ob beim „Maß der Lohnverteilung“ ein tragfähiger Ausgleich gelingt.