Seoul reagiert mit Warnbannern auf Kritik an Massenfang von Zikadenlarven im Yeouido Saetgang-Flussufer

통째로 쓸어간다 매미 유충 채집 논란…서울시 여의도 샛강에 경고 현수막.png

Die Hauptstadt Seoul geht gegen den wiederholten Massenfang von Zikadenlarven im Yeouido Saetgang-Flussufer vor. Nachdem in den Vorjahren Beschwerden über großflächige, nicht genehmigte Entnahmen in dem städtischen Ökosystembereich eingegangen waren, hat die Stadtverwaltung jüngst gut sichtbare Warnbanner aufgestellt. Sie rufen dazu auf, Insekten – einschließlich Zikadenlarven – ohne ausdrückliche Genehmigung nicht zu sammeln. Die Hinweise verzichten bewusst auf jede Nennung bestimmter Nationalitäten oder Gruppen und fokussieren ausschließlich auf das Verbot der unautorisierten Entnahme.

Auslöser waren Meldungen, wonach Personen im Saetgang-Ökologiepark mit größeren Behältnissen unterwegs gewesen sein sollen, um Larven in beträchtlicher Zahl einzusammeln. Auch wenn in diesem Jahr bislang keine neuen Vorfälle registriert wurden, will die Stadt die Hauptsaison des Zikaden-Schlupfs nicht unvorbereitet verstreichen lassen und setzt auf Prävention. Neben den Bannern kündigte sie engmaschigere Kontrollen und direkte Ansprache vor Ort an; bei Feststellung von Verstößen sollen die Sammlungen umgehend beendet werden. Bei Wiederholung oder wenn es erforderlich erscheint, kommen verwaltungsrechtliche Maßnahmen in Betracht.

Rechtlich stützt sich Seoul auf die Grundverordnung zur Erhaltung und Nutzung der Hangang-Parkanlagen. Sie stellt den Schutz der ökologischen Umwelt und die Förderung der Biodiversität in den Mittelpunkt und sieht für das unbefugte Sammeln von Flora und Fauna Bußgelder vor. Nach städtischer Auskunft sind im Fall unerlaubter Insektenentnahme bis zu 100.000 Won möglich. Zwar gilt die Zikade nicht als geschützte Art im Sinne nationaler Schutzkategorien, doch das entbindet Sammler nicht von den Regeln in ökologisch sensiblen Parkbereichen.

Der Saetgang-Ökologiepark liegt im dicht bebauten Kernraum der Metropole am Han-Fluss und wird als urbanes Rückzugsgebiet für zahlreiche Arten gepflegt. Die Stadt versteht die Anlage nicht als bloße Grünfläche, sondern als Lern- und Erfahrungsort: Für Kinder und andere Besucher werden Naturbeobachtung und Umweltbildungsprogramme angeboten. Regelmäßiges, massenhaftes Entnehmen einzelner Arten steht diesem Konzept entgegen, weil es lokale Bestände schwächen und das Gleichgewicht in einem begrenzten Biotop stören kann.

Das Problem beschränkt sich nicht auf Seoul. Bereits im vergangenen Jahr war auch im Samnak-Ökologiepark von Busan beobachtet worden, dass Gruppen in den Abendstunden Zikadenlarven in Plastikbehältnissen sammelten – genau zu jener Zeit, in der die Tiere nach der unterirdischen Entwicklungsphase die Stämme hinaufwandern und leicht zu greifen sind. Derartige Fänge konzentrieren den Druck auf einen empfindlichen Lebensabschnitt der Insekten.

Die Entscheidung Seouls, mit klaren Regeln und Präsenz vor Ort gegenzusteuern, spiegelt eine grundsätzliche Herausforderung vieler Großstädte: Urbane Naturflächen sind Erholungsräume, Lernorte und ökologische Trittsteine zugleich – und sie sind verletzlich. Damit Biodiversität im Stadtraum Bestand hat, müssen Nutzung und Schutz austariert werden. Dazu gehören transparente Verbote für das Entnehmen von Organismen, niederschwellige Aufklärung und, wo nötig, Sanktionen.

Für europäische Städte, die eigene Auen, Uferbiotope oder Naturinseln entwickeln und sichern, ist die südkoreanische Debatte anschlussfähig. Auch hier gilt: Nicht jede Form der Aneignung natürlicher Ressourcen ist in öffentlichen Parks erlaubt, selbst wenn es sich nicht um streng geschützte Arten handelt. Entscheidend ist, dass Verwaltungen Regelwerke konsequent kommunizieren, Besucher sensibilisieren und Eingriffe begrenzen, bevor sie Bestände oder Bildungsangebote unterminieren.

Seoul setzt nun genau dort an: durch Vorbeugung, sichtbare Hinweise und Kontrollen. Ob dies reicht, wird sich in der laufenden Zikadensaison zeigen. Klar ist jedoch, dass die Stadt das Spannungsfeld zwischen frei zugänglicher Naturerfahrung und dem Schutz eines urbanen Ökosystems nicht dem Zufall überlassen will.