Seoul, Südkorea – In der Debatte um zusätzliche Wohnungen in der dicht bebauten Hauptstadt zeichnet sich eine klare Bürgermeinung ab: Eine repräsentative Umfrage der Stadt Seoul ergab, dass 63,9 Prozent der Befragten den Bau öffentlicher Wohnungen im Yongsan-Park ablehnen. Die Erhebung fiel in eine Phase, in der die südkoreanische Regierung prüft, Teile dieses zentralen Staatsgrundstücks für die Wohnraumversorgung zu nutzen – und damit Widerstand der Stadtverwaltung Seoul und des Bezirks Yongsan auslöst.
Der Yongsan-Park, das Areal eines ehemals von US-Truppen genutzten Stützpunkts im Herzen der Stadt, ist als künftiger Nationalpark von hoher symbolischer und ökologischer Bedeutung. Zugleich treibt die Regierung den Ausbau des Wohnungsangebots in der Metropolregion voran. Das Ministerium für Land, Infrastruktur und Verkehr hat die Absicht bekräftigt, in Seoul und dem Umland neue Bauflächen für insgesamt 73.000 Wohneinheiten zu identifizieren; dabei wird auch das Umfeld des Yongsan-Parks als potenzieller Standort mitgeprüft.
Die von KSTAT Research im Auftrag der Stadt durchgeführte Umfrage fand vom 20. bis 23. August 2026 statt und umfasste 1.000 in Seoul lebende Personen ab 18 Jahren. 32,0 Prozent sprachen sich für den Bau öffentlicher Wohnungen im Parkareal aus; 4,1 Prozent gaben „weiß nicht/keine Angabe“ an. Von den Gegnern votierten 46,7 Prozent mit „stark dagegen“ und 17,2 Prozent mit „eher dagegen“. Auf Befürworterseite waren 16,7 Prozent „stark dafür“ und 15,3 Prozent „eher dafür“. Erhoben wurde per zufallsbasierter Telefonbefragung (RDD) mit 20 Prozent Festnetz- und 80 Prozent Mobilkontakten; die Stichprobenfehlerquote liegt bei ±3,1 Prozentpunkten (95-Prozent-Vertrauensniveau), die Rücklaufquote bei 10,2 Prozent.
Auffällig ist die Breite der Ablehnung: In allen Altersgruppen und in beiden Geschlechtern überwiegt das Nein. Frauen lehnen mit 66,1 Prozent ab, Männer mit 61,5 Prozent. Den höchsten Ablehnungswert verzeichnete die Gruppe der 30- bis 39-Jährigen (67,1 Prozent), gefolgt von den über 70-Jährigen (66,0 Prozent), den 18- bis 29-Jährigen (64,0 Prozent), den 60- (63,1 Prozent), 40- (61,8 Prozent) und 50-Jährigen (61,3 Prozent). Regional lag die Ablehnung im Südosten Seouls – einschließlich Gangnam, Seocho, Songpa und Gangdong – mit 70,3 Prozent an der Spitze; in der Innenstadtregion waren es 65,0 Prozent, im Südwesten 63,5, im Nordwesten 62,8 und im Nordosten 60,0 Prozent.
Bei den Gründen dominiert unter den Gegnern die Sorge vor einer kurzsichtigen Politik zulasten künftiger Generationen: 81,2 Prozent sehen im Eingriff in den geplanten Park eine Verfehlung zugunsten eines kurzfristigen Wohnungszuwachses. 42,3 Prozent verweisen auf lange Rückgabeverfahren und notwendige Bodensanierungen, die eine schnelle Bereitstellung ohnehin erschweren könnten. 41,9 Prozent nennen zu erwartende Belastungen für Verkehr und städtische Infrastruktur. Befürworter stellen hingegen die Wirkung für die Wohnungsversorgung in den Vordergrund: 69,3 Prozent erwarten Vorteile für Haushalte ohne Eigentum, 56,1 Prozent betonen den öffentlichen Charakter bei Bereitstellung durch den Staat statt durch private Entwickler, 44,3 Prozent sehen die zentrale Lage als Chance für zusätzlichen Wohnraum.
Rechtsrahmen und Politik verschärfen die Auseinandersetzung. Das „Sondergesetz zur Errichtung des Yongsan-Parks“ schreibt in Artikel 4 vor, dass das gesamte Hauptareal des ehemaligen US-Stützpunkts als Park zu gestalten ist; eine Zweckänderung oder Veräußerung für andere Nutzungen ist ausgeschlossen. Ohne Änderung dieses Spezialgesetzes wären großflächige Wohnbauten auf dem Hauptgelände rechtlich nicht möglich. Entsprechend begleitet die Diskussion inzwischen auch Überlegungen im politischen Raum, das Gesetz anzupassen – ein Schritt, der neue Konfliktlinien mit Stadtverwaltung und Anwohnerschaft eröffnen würde.
Seoul und der Bezirk Yongsan positionieren sich klar gegen Wohnbauten im Park. Der Bezirk hat am 15. August bekräftigt, den Yongsan-Park als seltene große Grünfläche und historisches Symbol im Stadtzentrum zu bewahren und den Standort nicht als Kandidaten für die Wohnraumbeschaffung zu akzeptieren. Die Stadt will die aktuellen Umfrageergebnisse in künftige Gespräche mit der Zentralregierung einbringen.
Wie es weitergeht, hängt von mehreren Faktoren ab: Sollte die Regierung ihre Prüfung konkretisieren, stünden parallel Fragen zu Umfang und Lage potenzieller Baufelder, zu einer eventuellen Gesetzesänderung, zu Umwelt- und Bodensanierung, zu Verkehrskonzepten und zur Sicherung zentraler Parkfunktionen auf der Agenda. Im Kern prallen zwei Ziele aufeinander, die viele Metropolen kennen: die Linderung akuter Wohnungsengpässe durch Nutzung knapper innerstädtischer Flächen – und der Schutz langfristiger Grün- und Gemeinwohlräume mit hoher städtebaulicher und symbolischer Bedeutung. Der Fall Seoul/Yongsan zeigt, wie eng Wohnungs-, Umwelt- und Rechtsfragen in solchen Großprojekten miteinander verwoben sind.

